Elektronische Tinte statt rote Würfel

Einen Juristen erkennt der Laie an den roten Würfeln – den seitenstarken Gesetzessammlungen. Noch. Denn die Revolution in diesem Bücherberuf steht unmittelbar bevor. Und sie wird, so wage ich zu behaupten, das äußere Berufsbild des Juristen nachträglich ändern und seine Sonderstellung mit seinen Büchern in der Öffentlichkeit verändern.

Die Rede ist von den sogenannten E-Ink Bookreader. Das sind Geräte, die in die Klasse eBook Reader passen, jedoch dort seit nicht so langer Zeit eine Sonderstellung beanspruchen. Elektronische Bücher und dazugehörigen Lesegeräte gibt es schon seit Mitte der 90er Jahre. Doch diese haben mehr Nachteile als Vorteile und sind daher nicht weit verbreitet. Schon gar nicht in der Jurisprudenz. Diese Geräte haben kleine, kümmerliche LCD oder TFT Displays, wahlweise in Farbe oder schwarz-weiß, die eine lange Lesearbeit für die Augen unmöglich machen. Zudem ist die Bedienung uneinheitlich kompliziert. Die Akkulaufzeit gering. Die Synchronisation mit dem Computer zeitraubend.

Eine Alternative erschien 1997 mit der Entwicklung der eInk Technologie. Dabei handelt es sich um Displays, deren Darstellung sich der eines normalen Papiers sehr ähnelt. Vorbei die Zeiten, in denen bei direkter Sonneneinstrahlung man die Anzeige nicht mehr ablesen konnte.

Ein weiteres Highlight dieser Technologie ist die lange Laufzeit der Geräte. Diese wird nichtmehr in Stunden, sondern in Seiten berechnet. Das liegt daran, dass diese Geräte nur dann Strom verbrauchen, wenn der Seiteninhalt tatsächlich geändert wird. Sonst kann das Bild tagelang angezeigt bleiben, ohne dass sich der Akku dadurch entleeren würde.

Nun ist die Frage, was das ganze mit Juristen zu tun hat? Ganz einfach, die Geräte lassen sich mit Material füttern, welches das juristische Handwerk sehr erleichtern würde. So können in einem 150 Gramm schweren Gerät sämtliche Gesetze, Kommentare, Rechtsprechungsübersichten, Aufsätze und vieles mehr abspeichern und immer griffbereit halten. Durch die Kombination mit Handschriftserkennungssoftware und Sprachaufzeichnung ließen sich Kommentare und To-Do’s verwalten. Aktuelle Gesetzesänderungen wie auch Fachzeitschriften könnten direkt auf das Gerät abgerufen werden. So entfällt das Nachsortieren und Katalogisieren, geschweige denn die Altpapiersammlung. Die juristische Information wäre dadurch günstiger und handlicher. Lauter Vorteile.

Nachteilig ist zurzeit noch der relativ hohe Preis und fehlende Verfügbarkeit der Geräte in Deutschland. So kosten die Geräte der Marktführer Sony PRS-505 und iRex Iliad zwischen 300 und 600$. In Deutschland sind die Geräte noch nicht erhältlich (Das Sony Gerät sollte im Frühjahr in Deutschland zu haben sein). Problematisch sind auch die Inhalte. Zwar lesen die meisten dieser Geräte die Dateiformate PDF und TXT aber es fehlt am Angebot entsprechende juristischer Inhalte. Die großen Verlagshäuser verlassen sich auf ihre online Angebote und verkennen das Potential des elektronischen Buchs. Einen anderen Weg geht Amazon in den USA. Dort vermarktet es ein eInk Gerät unter der Marke Amazon kindle. Das Gerät kostet knapp 360 $ enthält aber einen Drahtloszugang zu den Inhalten aus dem Amazon Shop. Dazu gehören viele Bestseller und sogar Tageszeitungen. Aber auch hier sind Fachbücher Mangelware.

Fazit: eInk ist eine progressive Technologie, die es ermöglichen würde den Juristen aus dem stillen Kämmerchen mit den Büchern herauszulocken und seine Arbeit kostengünstig zu flexibilisieren. Was fehlt sind entsprechende Anwendungen, die die Geräte mit sinnvollen Inhalten fühlen würden. Wer das von den Verlagen als erstes erkennt und die Investition wagt, wird künftig seine Marktstellung erheblich verbessern

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