Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)

Hallo, heute möchte ich euch die OpenSource Software anki vortsellen. Was ist das? Anki ist ein kostenloses und freies Tool zum Lernen nach dem Karteikartensystem. Ich habe bereits an einer anderen Stelle über meine Karteikarten berichtet. Dort findet ihr auch meine Vorlagen zum Ausdrucken. Heute geht es aber um Anki, einem softwaregestützten Karteikarten – Lernsystem.

A. Karteikarten – Was ist das?

Was Karteikarten sind, muss ich wohl nicht erklären. Ich benutze dickere DIN A6 Kärtchen, die ich auf der Vorderseite mit einer Frage und auf der Rückseite mit der Antwort beschrifte.

An sich sind die Karten nur ein Mittel. Der größte Lerneffekt tritt ein, wenn man diese nach einem bestimmten Lernsystem einsetzt. Sebastian Leitner, ein gelernter Jurist und deutscher Publizist(1919 – 1989) entwickelte sein Lernschema für Karteikarten (Bildquelle):

Vereinfacht funktioniert es so, dass zunächst alle Karteikarten in das erste Fach landen. Sodann müssen sie wiederholt werden. Stimmt die Antwort nicht mit der auf der Rückseite aufgeschriebenen, bleibt es im Fach 1, ansonsten geht es in das nächste Fach. Die Wiederholungsintervalle steigen mit jedem weiteren Fach. Wichtig ist aber, dass Fach 1 jeden Tag wiederholt wird! Mehrnoch – es wird sogar empfohlen, die frisch aufgeschriebene Karteikarte nach 30 Sekunden zu wiederholen und dann nochmal nach 2 Stunden. Man könnte das erste Fach also in weitere Unterfächer aufteilen.

B. Lernen mit Anki

Nun hat das mehrere Nachteile: das System an sich ist ziemlich aufwändig und die Karteikarten nehmen ziemlich viel Platz ein und sind nicht ergonomisch genug, um sie unterwegs zu wiederholen. An dieser Stelle kommt Anki ins Spiel. Diese quelloffene Software gibt es für viele Plattformen (iOS, Android, Windows, Linux, Mac) und sie nutzt einen Wiederholungsalgorithmus, der dem von Leitner ziemlich nahe kommt. Die Software ermittelt die Richtigkeit der Antwort und verschiebt die Karte automatisch in das richtige Fach. Ggü. dem 5-Fach System von Leitner hat es den Vorteil, dass man nicht zwingend auch solche Karteikarten wiederholen muss, die man eigentlich ganz gut kennt und sie nur deshalb aufgeschrieben hat, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber Anki kann noch vielmehr. Der größte Pluspunkt ist die Möglichkeit seine Karteikarten stets und überall abrufen zu können. Man kann nämlich all die Karten mit dem eigenen Webdienst ankiweb synchronisieren und von jedem Computer mit Internetanschluss wieder abrufen. Man kann auch freigegebene Karteikartensammlungen anderer User in die eigene Kollektion laden und nutzen.

C. Der Vorteil für Juristen

Das Karteienlernsystem hat für Jurastudenten einen großen Vorteil. In der Ausbildung sind wir dazu gezwungen viele Einzelfakten und Definitionen zu lernen. Wie definiert man den Betrug? Wie erfolgt die Übereignung beweglicher Sachen? Welche Tatbestände kennt das Bereicherunsgrecht? Auch wenn in der Klausurlösung die Einzelfakten nicht viel bringen, doch sind sie Voraussetzung, um zu einer annehmbaren Lösung zu kommen.

Die Möglichkeit seine Karteikarten auf unterschiedlichsten Plattformen auch offline zu nutzen, macht das System eigentlich zu einem meiner Lieblingslerntools.

Hier nochmal die wichtigsten Links:

1. Ankisoftware: http://ankisrs.net/

2. Android Client: https://code.google.com/p/ankidroid/wiki/Index auch im PlayStore erhältlich

3. iOS Client: http://itunes.apple.com/us/app/ankisrs/id373493387?mt=8 im Apple AppStore

4. Buchempfehlung: Brain Rules v. John Medina [eng]: http://www.amazon.de/Brain-Rules-Principles-Surviving-Thriving/dp/0979777747/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338560643&sr=8-1

4 Antworten zu “Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)”

  1. Jakob sagt:

    hi, vielen dank für den tipp, anki kannte ich noch nicht und hab mir direkt mal die ios version gekauft. 20 euro sind schon recht happig, aber dafür funktioniert das system perfekt. alle anderen karteikarten-app bringen entweder überhaupt keine oder nur rudimentäre sync-funktionen mit sich und gerade die ist mir besonders wichtig. werde anki auch mal auf examensrelevant.de vorstellen, ich denke das dürfte noch mehr leute interessieren.

  2. […] bieten sich vielmehr Karteikarten (auch als Programm auf dem Computer/Smartphone, z.B. Anki – Vorstellung bei daboius) an. Das eigene Aufbereiten des Lernstoffes hat den entscheidenden Vorteil, dass man sich schon […]

  3. Thomas sagt:

    Wer mit Anki Jura lernt, kann sich das Leben leichter machen, indem er die Jura-Vorlagen für Anki verwendet. Damit kann man Streitstände, Prüfungsschemata und andere juristische Informationen viel schneller und bequemer in digitale Karteikarten umwandeln:

    http://www.thomaskahn.de/jura-vorlagen/

    Auf der Homepage finden sich auch allgemeine Tipps zum Einsatz von Anki im Jura-Studium.

  4. […] Das zweite Projekt stammt von Sebastian Kahn. Er hat für Anki (s. Artikel: “Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)”) ein paar Vorlagen erstellt, die sich speziell für juristische Inhalte eignen […]

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