Ebook Reader als juristisches Werkzeug

Diese Frage beschäftigt mich schon längere Zeit. Wie kann die neue E-Ink Technologie auch in den juristischen Berufen nützlich gemacht werden? Soweit ersichtlich wird diese Frage von den juristischen Verlagen absolut ausgeblendet. Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Diskussion anstoßen über die Vorteile und Nachteile von Literaturdigitalisierung in den Rechtswissenschaften.

I. Was ist E-Ink

Um es kurz zu halten, ist E-Ink eine Technologie, die es ermöglicht Displays für mobile Geräte herzustellen, die dem bedruckten Papier in seinen Leseeigenschaften sehr nahe kommen. Für die Darstellung werden die Pixel (einzelne Displaypunkte) aus kleinen Tintenkügelchen aufgebaut, die durch elektrische Spannung gesteuert werden können. Die so erreichte Darstellung ist zwar nicht bunt, dafür aber sehr augenschonend und energieeffizient. Der elektrische Strom der Gerätebatterie wird nämlich nur verwenden, um zu blättern. Im „aufgeschlagenen“ Zustand kann eine Buchseite theoretisch jahrelang angezeigt werden, ohne dass der Akku sich entlädt.

II. Juristischer Markt heute

Die Juristischen Verlage haben bisher in ihrem Angebot keine E-Ink Geräte und auch keine juristische Literatur, die auf diesen Geräten gut zu lesen wäre. Die wenigen PDF Ausgaben, die bisher verfügbar sind, können auf den meisten E-Ink Readern zwar wiedergegeben werden. Komfortabel gelesen können sie dort wegen geringer Abmessungen der Displays bisher nicht. Für die E-REader bestehen seit Jahren jedoch spezielle Formate wie Epub, FB2 oder Mobi, die für die E-Reader besser geeignet sind. In diesen Formaten sind bisher nur sehr wenige juristische Titel erhältlich.

III. Mögliche Verwendung dieser Technologie

1. Zeitschriften

Meines Erachtens sind juristische Fachzeitschriften schon heute bestens für den E-Ink Bereich geeignet. Man stelle nur vor, dass die wöchentliche juristische Zeitschrift nicht im Briefkasten steckt, sondern automatisch auf den Reader via WLan geladen wird. Der Leser kann sich gemütlich beim morgenlichen Kaffee die Beiträge durchblättern, interessante Stellen markieren, ausdrucken oder weiterleiten. Der Stapel von Altpapier entfällt. Die interessanten Beiträge könnten dann nach Belieben Kategorisiert werden, sodass sie auch nach Jahren mühelos auffindbar sind. Die Verlage würden an den Druckkosten und Porto sparen und der Leser hätte einen Mehrwert gegenüber gedruckter Version.

2. Gesetzessammlungen, Kommentare

Große Werke wie Gesetzessammlungen und Kommentare haben auf E-Ink den Vorteil der Durchsuchbarkeit. Man muss nicht mühevoll lange blättern, bis man die richtige Stelle gefunden hat, sondern kann direkt den Suchbegriff eingeben und zu ihm springen. Der Nachteil bei den heute erhältlichen Geräten ist die Größe des Displays. Bis auf einige Ausnahme bewegt sich die Grüße zwischen 5 und 7 Zoll. Das ist viel zu wenig, um zwei Seiten nebeneinander aufzuschlagen. Das ideale Format wäre Din A4 quer. Würde man dann softwaremäßig die Möglichkeit haben zwei Werke so nebeneinander darzustellen, so hätte man die Möglichkeit die wichtigen Stellen sofort zu vergleichen, ohne zu Blättern. Solche Software auf den E-Readern ist mir bisher nicht begegnet. Es liegt jedoch nicht daran, dass die Möglichkeiten der Teschnologie hier begrenzt sind, sondern daran dass es bisher vom markt nicht gefordert wurde.

3. Lehrbücher, Skripte

Für die juristische Ausbildung wäre es wohl interessant Lehrbücher und Skripte in den E-Book Formaten herauszugeben. Auch hier gilt: PDF ist nicht ausreichend. Das Format ist viel zu unflexibel, um auf den Geräten gut lesbar dargestellt zu werden. Sowohl für Gesetzessammlungen, Kommentare, Lehrbücher und Skripte besteht hier die Möglichkeit die Texte auf dem neuesten Stand zu halten. Die Verlage könnten Subskriptionen anbieten und jeweils aktuelle Fassungen per WLan verteilen.

Die Fähigkeit der Geräte handschriftliche Notizen zu speichern, macht diese genauso bequem wie ein Textskript oder Buch. Aus den Zitaten kann man dann Lernkarteien u.ä. machen, die auf dem Geraät auch direkt wiederholt werden können oder mit anderen mobilen Geräten synchronisiert werden können.

IV. Fazit

Der juristische Markt ist groß genug, um die Technologie der E-Reader vollständig zu vernachlässigen. Was fehlt sind Inhalte und Reader, die auf die speziellen Bedürfnisse der juristischen Berufe ausgerichtet sind. Die Vorteile sind aber auf der Hand. Ein solcher Reader könnte die gesamte Bibliothek ersetzen und kann dabei ein nützliches Tool im Alltag eines Juristen sein. Leider sehen die Verlage diese Chancen nicht. Es fehlt sowohl an der Literatur, die in den E-Reader Formaten verfügbar wäre, als auch an den Geräten selber. Betrachtet man den Weg, den amazon gegangen ist, wird klar, dass Ebooks auch für Juristen die Zukunft sind.

 

 

Eine Antwort zu “Ebook Reader als juristisches Werkzeug”

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