Jura Ersti – was muss ich mir kaufen?

die vollständige Einkaufsliste für Jura-Erstsemester

Anfang April ist es soweit – viele Erstsemester werden zum Sommersemester ihr Jura-Studium beginnen. Es ist noch etwas Zeit sich darüber Gedanken zu machen, welche Literatur man sich kaufen sollte. Dieser Beitrag soll eine erste Hilfestellung sein (Die Links führen zu Amazon – Es gibt jedoch zahlreiche Alternativen!)

  1. Gesetzestexte

Das Wichtigste zuerst – die Gesetzestexte. Viele Rechtsfragen aus den ersten Semestern lassen sich durch das Studium der Gesetzesbücher lösen. Bis zum Hauptstudium sind die Taschenbuchausgaben absolut ausreichend. Ich kann nicht empfehlen, schon im ersten Semester sich einen Schönfelder nebst Ergänzungsband zu kaufen. Abgesehen davon, dass diese Bücher extrem schwer sind, sind sie zudem sehr teuer. Schon die Erstanschaffung kostet etwa 30,00 € bis 40,00 €. Dazu kommen die Nachlieferungen, die jeweils etwa 6 – 20 € kosten und in unregelmäßigen Abständen eure Zeit beim Einsortieren der hauchdünnen Seiten rauben. Diese Zeit ist viel besser ins Lernen zu investieren.

Nun also die Top 3 Gesetzestexte für’s Erste:

  1. Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz – den AT und BT Teil werdet ihr bis zum Hauptstudium so oft lesen, dass ihr die Paragrafen im Schlafen können werdet.
  2. Strafgesetzbuch StGB (dtv Beck Texte) – Auch dieses Gesetz hat einen AT und BT Teil. Anders als das BGB sind die Vorschriften weniger sperrig – man lese nur § 212 BGB. Hinter dieser einfachen Formulierung verstecken sich juristische Probleme, die auch heute nicht geklärt sind und viele Regalmeter an Kommentarliteratur füllen.
  3. Basistexte Öffentliches Recht (dtv Beck Texte) – Hier lassen sich Vorschriften für die Vorlesungen zu Grundrechten und Verwaltungsrecht finden. Beim Verwaltungsrecht ist zu beachten, dass in jedem Bundesland unterschiedliche Vorschriften bestehen können. Dieses Buch bildet nur das Bundesrecht ab. Das reicht zwar in den meisten Fällen in den ersten Semestern völlig aus – euer Dozent kann aber auch andere Buchempfehlungen hierzu geben, um auch das Landesrecht abzubilden. In NRW wird oft dieses empfohlen: Landesrecht Nordrhein-Westfalen: Textsammlung – Rechtsstand: 1. Juli 2016.

Das war’s: mehr benötigt ihr für den Start an Gesetzesliteratur wirklich nicht. Wichtig ist, dass die Bücher möglichst aktuell sind. Eine Gesetzessammlung aus 2006 ist aktuell nichts mehr wert  – zu viele Gesetzesänderungen sind seitdem erfolgt. Die aktuellsten Gesetzeswerke lassen sich im Internet aufrufen. Die besten Quellen hierfür sind meines Erachtens: http://www.dejure.de und http://www.buzer.de. Landesrecht muss man allerdings auf den jeweiligen Webseiten des Landesjustizministeriums suchen. In NRW z.B unter: https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_start (in Google sucht man nach Landesrecht Bundesland)

Erwähnenswert sind noch die Gesetzessammlungen von Nomos: Zivilrecht – Öffentliches Recht – Strafrecht: Textsammlung. In diesen drei Gesetzesbüchern sind die drei größten Rechtsgebiete sehr umfassend vertreten. Allerdings hat diese Ausführlichkeit auch ihren Preis: Knapp 60,00 € kosten die drei Bände. Ihr Gewicht ist auch nicht zu vernachlässigen.

Wer nicht so viel Geld ausgeben möchte, kann auch komplett digital und zudem kostenlos lernen. Alles was man braucht ist ein Tablet oder ein Smartphone. Unter Android empfehle ich Lawdroid und Jlaw. Letztere ist nicht bloß eine Gesetzessammlung, sondern enthält auch viele Urteile mit Volltextsuche. Die IPhone- Fraktion greift zu Gesetze – Bund / Bayern oder LX Gesetze.

Mein Tipp: Es ist sehr wichtig, dass man mit den Gesetzen in den Gesetzesbüchern arbeitet, liest, markiert und unterstreicht. Daher empfehle ich, die Apps nur als Ergänzung – nicht aber als ausschließliches Lernmittel. Da in den Klausuren alleine die Gesetzesbücher zugelassen sind, muss man den Umgang damit schon ab dem ersten Studientag lernen – in der Klausur wird man es sonst bereuen.

2. Fachbücher

Neben den Gesetzesbüchern, braucht man auch didaktische Literatur. Hier werden die Dozenten zu Beginn jeder Veranstaltung ihre Tipps geben. Wichtig ist zu wissen, dass es nicht „DAS“ Lernbuch gibt. Zu jedem Fach gibt es hunderte „Einführungen“, „Grundwissen-Bücher“, „Lernkommentare“ uns vieles andere. Es empfiehlt sich, einmal in Uni-Bib zu setzen und sich einige Exemplare pro Fach anzuschauen, probe zu lesen und zu blättern.

Ich für meinen Teil konnte ganz gut mit den Darstellungen von Rolf Schmidt BGB Allgemeiner Teil: Grundlagen des Zivilrechts; Methodik der Fallbearbeitung, Strafrecht Allgemeiner Teil: Grundlagen der Strafbarkeit; Aufbau des strafrechtlichen Gutachtens, Staatsorganisationsrecht: sowie Grundzüge des Verfassungsprozessrechts und des EU-Rechts und andere lernen. Man muss jedoch wissen, dass viele Dozenten diese Art von Fachliteratur nicht ernst nehmen. Sie ist auch in den Facharbeiten nicht zitierfähig. Es handelt sich um speziell aufbereitete Lernbeiträge und nicht um wissenschaftliche Abhandlungen.

Sehr empfehlenswert sind die Studienkommentare von Jacobi (Bürgerliches Gesetzbuch: Studienkommentar) und Joecks (Strafgesetzbuch: Studienkommentar).

Weniger gut fand ich die Reihe „Grundrisse des Rechts“. Aus meiner Sicht sind dort viele Darstellungen an den entscheidenden Stellen viel zu knapp. Dagegen werden Nebenschauplätze breit getreten. Eine Ausnahme bildet meines Erachtens das Buch von Maurer Allgemeines Verwaltungsrecht (Grundrisse des Rechts). Auch hier lässt sich sehr gut digital lernen. An vielen Unis sind die eBook Angebote von beck freigeschaltet. Dort lassen sich viele der Titel aus der Reihe „Grundrisse des Rechts“ lesen.

Für’s Zivilrecht würde ich Bücher von Brox (Allgemeiner Teil des BGB (Academia Iuris)) und Looschelders (Schuldrecht: Allgemeiner Teil (Academia Iuris)). Der besondere Teil von Looschelders hat mich jedoch weniger gut überzeugt. Da würde ich empfehlen mit Skripten von Alpmann und Schmidt zu lernen (dazu sogleich). Für’s Strafrecht fand ich die Reihe von Beulke sehr gut: Strafrecht Allgemeiner Teil: Die Straftat und ihr Aufbau. Mit ebook: Lehrbuch, Entscheidungen, Gesetzestexte (Schwerpunkte Pflichtfach)

Mein Tipp hier ist, sich die Lernbücher individuell zusammen zu suchen. Auch wenn die Dozenten zu Beginn des Semsters ihre Buchempfehlungen und Literaturlisten verteilen werden, muss man diese wirklich als unverbindliche Empfehlungen auffassen. Je nach Lerntyp kann man mit mehr oder weniger wissenschaftlichen Darstellungen lernen. Aus Gründen der Lerneffizienz kann ich nicht empfehlen, im ersten Semester den Roxin oder Medicus Seite für Seite durchzulesen. Das kann man zur Vertiefung bestimmter Inhalte oder bei Wiederholung machen. Viel wichtiger ist es, zunächst die Struktur des Rechtsmaterie zu begreifen. Hierzu eignen sich am besten didaktisch aufbereitete Darstellungen.

3. Skripte und Fallbücher

Unbedingt zu empfehlen sind Fallsammlungen. Es gibt welche von Hemmer oder von Alpmann Schmidt. Für die erste BGB Klausur empfehle ich : Die Anfängerklausur BGB. Dieses Skriptartige Fallbuch führt Schritt für Schritt vor, wie man an eine Fallklausur herankommt und diese mithilfe des Gesetzes und des Gelernten auch löst. Auch wird der so wichtige Gutachtenstil eingeübt.

Vielfach belächelt, aber von mir als gut befunden sind die kurzen Lernbücher/Skripte von Rauda/Zenthöfer aus dem Richter Verlag (z.B: Strafrecht AT 25 Fälle). Das Tolle an diesen kleinen Büchern ist, dass sie günstig sind und so ziemlich alle Standardfälle für die ersten Semester enthalten. An dieser Stelle ist auch die Facebook-Webseite der Herren Rauda / Zenthöfer zu empfehlen.

4. Karteikarten

Es gibt von Hemmer, Alpmann Schmidt und anderen Anbietern fertige Karteikarten zum Lernen. Ich finde diesen Ansatz didaktisch nicht gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am besten mit den Karteikarten lernt, die man selbst geschrieben hat. Das Problem ist, dass auf den kleinen Kärtchen immer Platznot ist, sodass deren Verfasser immer gezwungen ist, sich kurz zu fassen. Wenn man dann diese Kurzfragen liest, die oft ohne Sachzusammenhang da stehen, kann man nicht immer nachvollziehen, welche Antwort erwartet wirt. Beim Lernen führt das dann zu Enttäuschungen und nimmt jede Lernmotivation. Ich rate daher jedem, sich die Karteikarten besser selbst anzufertigen, wenn man damit lernen möchte. Es ist zwar sehr viel Aufwand – aber wenn man es durchzieht, lohnt es sich richtig. Kostenlose Karteikartenvorlagen findet ihr hier, auf meiner Webseite.

5. Fachzeitschriften

Juristen haben immer schon in Fachzeitschriften veröffentlicht. Dieses Publikationsmittel hat in der Vergangenheit schon so mancher Diskussion ein Forum geboten. Die wichtigsten Ausbildungszeitschriften sind Jus, JA, JURA und RÜ. Diese kann man gut sortiert in der Uni-Bib finden. Gratis-Ausgaben können in der Fachbuchhandlung in Uni-Nähe zu Beginn eines neuen Semesters abgeholt werden. Man kann die Zeitschriften auch online im Uni-Netz lesen, sodass deren Abo nicht zwingend ist. Zu empfehlen ist die Webseite – ZJS. Dort erscheinen vier Mal im Jahr Fachbeiträge, Aufsätze und Buchbesprechungen von Autoren aus der Lehre und Praxis. Für’s Strafrecht möchte ich noch die Webseite des Prof. Marxen an der HU Berlin empfehlen. Dort gibt es jeden Monat einen Fall des Monats – eine didaktisch vorbereitete klausurmäßige Falllösung.

6. Technik

Ohne Technik geht auch das buchlastige Jurastudium leider nicht mehr. Folgendes sollte man sich anschaffen:

  • Laserdrucker – die sind nicht mehr so teuer wie früher, können aber sehr schnell und günstig drucken. Bereits in den ersten Wochen werden die Drucker zum Einsatz kommen, da viele Dozenten eigenes Skriptmaterial zur Verfügung stellen. Auch muss man viele Urteile und Aufsätze, sowie Kommentarliteratur ausdrucken, sodass sich diese Investition lohnt.
  • Ein Smartphone – die ErstiGruppen in Facebook und WhatsApp werden eure Begleiter in den ersten Unitagen sein. Zudem hält man hierüber Kontakt zur Familie, Freunden und kann mittels Apps Gesetze und Urteile schnell nachlesen,
  • Ein Laptop ist unverzichtbar für Hausarbeiten und sollte am besten über eine gute Akkulaufleistung verfügen
  • Auch ein Internetanschluss ist ein Muss – wobei man hier ganz gut in der UniBib lernen kann.

6. Kleidung

Ja, es stimmt – Jurastudenten kann man gut an deren Outfits erkennen. Wer hierzu mehr erfahren möchte, liest diesen Zeit-Beitrag .

Trotz des umfangreichen Beitrags konnte ich nicht alles aufzählen, was man sich für das erste Semester alles kaufen kann. So habe ich die schönen Schönfelder-Umschläge und Buchstützen ebenso unerwähnt gelassen, wie die sehr empfehlenswerten Ohropax. Man muss es halt selbst herausfinden, was der Markt so hergibt für ein angenehmes Studiengefühl. Meine Empfehlungen basieren auf meinen Erfahrungen und sollen lediglich Ausgangspunkt für euer erfolgreiches Studium sein.

In diesem Sinne – viel Spaß beim Jura-Shoppen!

 

[Rezension] Examensplan.de – Examensvorbereitung mit Plan

Die Macher vom examensplan.de haben mich auf ihr Projekt aufmerksam gemacht und um Rezension in meinem Blog gebeten. Dem komme ich gerne nach.

Das Problem

In diesem Jahr jährt sich zum 220. Mal die Einführung des preußischen allgemeinen Landrechts (ALR, 1794), welches die bis dahin subsidiär geltenden Rechtsquellen – das römische Rechte und den Sachsenspiegel – ablöste. Was hat das mit dem hier rezensierten Projekt zu tun?

Nun ja, mit Einführung des ALR weigerten sich die damaligen Uni Professoren, das neue Recht zu unterrichten. Es bildeten sich Alternativen aus, die in privater Trägerschaft gegen Entgelt die Jurastudenten auf das schon damals existierende Staatsexamen vorbereiteten.

So alt wie die Geschichte der Reps, ist wohl auch das Problem der richtigen Zeitverteilung für das Lernen der dort vermittelten Kenntnisse.

Die gängigen Reps wie Alpmann oder Hemmer setzen auf ganztägigen Präsenzunterricht mit ein-zwei Tagen in der Woche, angelegt auf 11 – 12 Monate. Wer nicht ab dem ersten Tag intensiv nacharbeitet und ständig das vermittelte Wissen wiederholt, kommt schon nach wenigen Wochen in akute Zeitnot. Das wirkt sich typischerweise sowohl auf das Examensergebnis als auch auf das geistig-seelische Gleichgewicht des Lernenden aus.

Lösungsvorschlag

Die Macher des Examensplans sind sich sicher : das Problem mit der Lernkurve und Zeit lässt sich ganz planmäßig lösen. Mit mathematischen Algorithmen lässt sich die Quadratur des Kreises lösen ein Jahresplan erstellen, welcher individuelle Besonderheiten des Lernenden berücksichtigt, ihm genug Freizeit lässt aber gleichzeitig immer wieder auf die Bahn des planvollen und systematischen Lernens zurückbringt.

Wie das praktisch funktionieren soll, zeigt die Webseite des Projekts. Dort lässt sich via Webform ein individueller Jahresplan in Form eines Ringbuches erstellen. Nach Eingabe der persönlichen Vorlieben und individueller Zeitwünsche erstellen die Mitarbeiter des Projekts den persönlichen DIN-A5 Jahresplaner, der dann per Post zugeschickt wird. Die Kosten für den Service beginnen ab 69 € und richten sich danach, wie lange die Vorbereitungszeit dauern soll. Möglich sind Zeiträume von 12 bis 24 Monaten.

Der Planer soll nach der Idee seiner Entwickler so flexibel sein, dass auch größere Planänderungen und Lernverzug bis zu 6 Wochen kein Problem seien, so denn der Lernende das Versäumte zeitnah nachholt.

Meine Einschätzung

Ich muss zugeben, dass ich für mein erstes Staatsexamen nicht so systematisch und durchgeplant gelernt habe, wie die Macher des Projekts es sich ausgedacht haben (ob meine eher durchschnittlichen Ergebnisse darauf zurückzuführen sind, kann ich aber nicht beurteilen).

Gut finde ich, dass der Plan unabhängig von den Programmen der jeweiligen Repetitorien funktioniert – das heißt er gibt nicht explizit an, welches Thema wann zu lernen ist.

Aber bekanntlich gilt, wenn du Götter zum Lachen bringen willst, mach Pläne! Sicherlich kann so ein Plan ein gute Motivationshilfe sein – letztlich darf man aber die dort aufgezeigte Zeitverteilung nicht eisern mit allen Mitteln zu befolgen suchen. Auch das Lernen muss gewissermaßen Spaß bereiten.

Was ich den Machern des Projekts noch nahelegen würde, wäre die noch stärkere Digitalisierung der ganzen Prozedur. So ließe sich aus den Eingaben eine Kalenderdatei generieren, welche sich mühelos in die Kaleder-app des Smartphones integrieren ließe. Auf diese Weise könnten nicht nur die Produktionskosten für die Ringbücher gespart werden, sondern man könnte den Plan auch individuell nachträglich anpassen, wenn dies erforderlich sein sollte.

Alles in allem eine Empfehlung für notorische Aufschieber, wie mich. In einem der nächsten Beiträge werde ich mich dem Thema Lernplanung noch einmal näher widmen und das Konzept von GTD (Getting Things Done) vorstellen

Exklusiv: Interview mit den Machern von econtrario.de

Nachdem ich einige Zeit mit dem ausführlichen Test des neuen Karteikartenlernservice – econtrario.de – verbracht habe, econtrario_logokann ich meinen Lesern heute ein exklusives Interview mit den Machern des Services anbieten.

Kurz zum Background: Um Karteikarten zu lernen gibt es viele Möglichkeiten. Man kann sich die Kärtchen günstig bei ebay besorgen und selbst beschreiben; man kann aber auch auf fertige Karteikarten der großen Verlage zurückgreifen oder zu einem digitalen Netzwerk von Gleichgesinnten dazustoßen und Karteikarten zusammen erstellen und lernen. Bei econtrario geht es darum fremde und eigene Karteikarten sich nach dem multiple-choice-System zu erarbeiten. Ein spezieller Algorithmus sorgt dafür, dass man mit den Wiederholungen nicht schlabbert, sondern wirklich das Erlernte wiederholt, bis es sich im Langzeitgedächtnis festsetzt. Jura ist eben zu 99  % Fleißarbeit und nur zu 1 % Talent. Entsprechend viel und ehrgeuzig muss man mit seinem Lernpensum umgehen. Um hier etwas Motivation in den Prozess zu bringen, haben die Macher von econtrario ein Rankingsystem eingeführt. Damit kommt auch ein sportliches Interesse zum öden Lernen hinzu.

So und jetzt kommen die Machen selbst zu Wort.

 Wie viele Menschen stehen hinter dem Projekt? Wann kam die Idee dazu? Wer seid ihr Studenten, Referendare, ausgebildete Juristen, Programmierer, Designer?

Die Idee für eine eLearning Plattform mit der Möglichkeit, selbst Inhalte zu erstellen, kam uns während der eigenen Examensvorbereitung. Wir sahen eine enorme Schwierigkeit nicht nur darin, möglichst viele Fallkonstellationen „mal gesehen zu haben“, sondern auch darin, das schwer erarbeitete Strukturwissen regelmäßig zu wiederholen. Letztlich geht es ja darum, das ganze Wissen punktgenau wieder abrufen zu können.  Wir haben nun ein wunderbares Team: zwei Juristen – Carl-Wendelin Neubert promoviert am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, Christian Leupold ist Referendar am OLG Brandenburg; zwei erfahrene Programmierer – Christoph Beuck und Steffen Schebesta, die sehr erfolgreich den Service www.newsletter2go.de betreiben; und ein vielseitiger Designer – Rafael Varona, der so ziemlich alles kann.

Warum gerade Karteikarten? Habt ihr damit besonders gute Erfahrungen gesammelt? Beruht das ggf. auf wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Wir haben selbst das Erste Staatsexamen hinter uns. Klar ist aus unserer Sicht, dass die Stoffmenge zu regelmäßigem Wiederholen zwingt – was ich im Januar intensiv erarbeitet habe, ist sonst im September nicht mehr in allen Details abrufbar. Da gibt es dann also zwei Möglichkeiten: Entweder, ich lese immer und immer wieder Lehrbücher (womöglich die gleichen mehrfach). Oder ich erstelle mir eigenes Lernmaterial. In welcher Form das geschieht, ist eher nachrangig aus unserer Sicht. Wir haben selbst viel ausprobiert. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Definitionen kann man z.B. am besten auf kleine Karteikarten schreiben. Konkurrenzen zwischen verschiedenen Rechtsgebieten brauchen eine ganze Din-A4-Seite. Und einen Überblick darüber, wie sich ein Rechtsgebiet untergliedert, kann man sich leicht mithilfe von Mindmaps verschaffen. Wir plädieren für eine Art Systemmix – von allem etwas. Viele Sachverhalte, Problemstellungen und Streitstände lassen sich hervorragend anhand von multiple-choice-Aufgaben darstellen. Nicht umsonst stellt diese Frageform in einigen anderen Fächern (z.B. Medizin) einen zentralen Bestandteil der Prüfungen dar. Zudem lässt sich der eigene Lernfortschritt beim Lernen mit multiple-choice-Aufgaben präzise dokumentieren – es fällt schließlich schwerer, sich selbst übers Ohr zu hauen, wenn man genau ablesen kann, welche Aufgaben man richtig und welche falsch beantwortet hat. Man kann ganz besonders gut Missverständnisse aufdecken und für die Zukunft ausschließen, indem man „Fangfragen“ stellt mit verlockenden Antwortmöglichkeiten, die aber aufs Glatteis führen. Am besten ist es, eine Aufgabe zu erstellen, wenn man gerade einen Denkfehler bei sich selbst entdeckt hat. Auf diese Weise kann auch echtes Verständnis geschaffen werden. Das Erstellen eigener Aufgaben zwingt darüber hinaus dazu, den gelernten Stoff umzustrukturieren, d.h. diesen in anderer Form wiederzugeben. Dass dieses sog. aktive Lernen erfolgreicher ist als passives Lernen, ist wissenschaftlich erwiesen.

Econtrario ist kostenlos und hat keine Werbung. Wie finanziert sich die Plattform?

Für den Anfang haben wir uns etwas Startkapital besorgt. Damit decken wir derzeit alle entstehenden Kosten. Wir machen fast alles selbst, so dass sich die Kosten im Rahmen halten. Langfristig denken wir über eine Finanzierung durch Werbung bzw. mithilfe von Partnern aus dem Bereich Rechtswissenschaften nach. Auf diese Weise können wir die Plattform dann ausbauen und weiterentwickeln. Für die Nutzer bleibt econtrario aber kostenlos, das ist uns sehr wichtig.

Was steckt hinter dem so genannten exponentiellen Lernen?

Man versteht darunter die Wiederholung in größer werdenden Zeitabständen. Dieses Vorgehen entspricht der Wissensspeicherung im menschlichen Gehirn: Anfangs braucht man viele Wiederholungen innerhalb kurzer Zeit. Später wandert das Wissen bildlich gesprochen in das Langzeitgedächtnis und muss nur noch sehr selten wiederholt werden, um abrufbar zu bleiben. Wir haben ein sehr flexibles System entwickelt, das die Nutzer von econtrario Ihren eigenen Bedürfnissen anpassen können: Standardmäßig werden alle Aufgaben, die der Nutzer in seine Favoriten (virtueller Karteikasten) aufnimmt, nach 7, 14, 90, 180 und 300 Tagen abgefragt. Wer aber schon früher oder erst später als in 300 Tagen sein Examen hat, kann diese Zeiträume anpassen.

Sind Apps für die mobilen Plattformen wie Android oder IOS geplant?

Ja. Wir haben bereits eine „Mobile App“ für das iPhone. Das bedeutet, dass man sich die App nicht über den App Store herunterladen und installieren muss, sondern dass man mit dem Handy einfach auf www.econtrario.de geht und automatisch eine für das iPhone optimierte Darstellung gewählt wird. Eine entsprechende App für Android und das iPad ist in Planung.

Habt ihr noch andere Projekte oder sind welche geplant?

Wir sind mit ganzem Einsatz und ganzer Leidenschaft bei econtrario und planen derzeit auch keine neuen Projekte.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Eurer Plattform im Kampf für das unermüdliche Lernen!

 

 

Und wieder Karteikarten

In den letzten Tagen haben mich zwei interessante Projekte erreicht, die sich beide mit dem Lernen nach dem Karteikartensystem beschäftigen. Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass Karteikarten eine recht gute Möglichkeit ist, Inhalte auswendig zu lernen, möchte ich die zwei Projekte hier kurz beleuchten.

1. Als erstes wurde ich auf den mir bisher unbekannten Dienst econtrario.de aufmerksam gemacht
econtrario
Es handelt sich um eine soziale Lernplattform, bei der jeder juristische Aufgaben/Fragen nach dem multiple choice System einstellen kann. Das beste daran: die Seite sieht echt schick aus und der Service soll nach Angaben des Betreibers für immer kostenlos bleiben. Das System bietet Aufgaben aus allen drei Rechtsgebieten, wobei die Auswahl der Fragen noch relativ klein ist. Ich bin aber sicher, dass sich mit der Zeit der Aufgabenpool richtig groß wird. Die Webseite ist zudem so gestaltet, dass sie auch auf mobilen Geräten gut nutzbar ist. Daher ist das Portal auch geeignet, um unterwegs statt Tetris ein paar juristische Probleme zu wiederholen.

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist dass die Aufgaben keine Kommentarfunktion haben. Man hätte zu jeder Aufgabe einen Diskussionsthread erstellen können, in dem man sich mit anderen Nutzern austauschen könnte. Vielleicht ist diese Funktion für spätere Releases geplant – wer weiß.

UPD: Ich muss mich korrigieren. Ich habe eben festgestellt, dass die Plattform auch eine Kommentarfunktion bietet. Sie hat sich nur versteckt und kommt, was sinnvoll ist, erst dann zum Vorschein, wenn man eine Frage beantwortet.

UPD 2: Einen Verbesserungsvorschlag kann ich doch noch an die Entwickler machen. Es wäre toll, wenn man Karteikarten aus seinem „Karteikasten“ irgendwie exportieren könnte, um zum Beispiel die eigenen Karteikarten mit Anki oder sonstigen Tools zu lernen. Die mobile Version von econtrario erfordert einen Internetzugang, was unterwegs nicht immer verfügbar ist und mit zusätzlichen Kosten verbunden sein kann.

2. Das zweite Projekt stammt von Thomas Kahn. Er hat für Anki (s. Artikel: „Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)“) ein paar Vorlagen erstellt, die sich speziell für juristische Inhalte eignen sollen.

tk_karteikarten

Um die Vorlagen nutzen zu können, muss man eine spezielle Erweiterung für Anki von der Webseite des Anbieters herunterladen. Nach einem Doppelklick, sind die Vorlagen installiert und verwendbar. Sodann wählt man die passende Vorlage aus und erstellt die Karteikarte.

Zurzeit stehen folgende Inhaltstypen zur Verfügung:

  • Einfache Frage
  • Fachbegriff
  • Prüfungsschema
  • Streitstand
  • Vergleichende Frage

Ich finde, diese Vorlagen erleichtern das systematische Lernen ungemein. Sie machen Anki (was eigentlich ein Vokabellerntool für Fremdsprache ist) zu einer Anwendung, die juristische Inhalte richtig strukturiert speichert und abfragt. Mir persönlich hat in Anki die Möglichkeit gefehlt, Prüfungsschemata schön sauber zu speichern. Mit dieser Vorlagensammlung ist es nun möglich.

Daher auch für dieses Projekt eine klare Empfehlung und ein Dank an den Entwickler.

Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)

Hallo, heute möchte ich euch die OpenSource Software anki vortsellen. Was ist das? Anki ist ein kostenloses und freies Tool zum Lernen nach dem Karteikartensystem. Ich habe bereits an einer anderen Stelle über meine Karteikarten berichtet. Dort findet ihr auch meine Vorlagen zum Ausdrucken. Heute geht es aber um Anki, einem softwaregestützten Karteikarten – Lernsystem.

A. Karteikarten – Was ist das?

Was Karteikarten sind, muss ich wohl nicht erklären. Ich benutze dickere DIN A6 Kärtchen, die ich auf der Vorderseite mit einer Frage und auf der Rückseite mit der Antwort beschrifte.

An sich sind die Karten nur ein Mittel. Der größte Lerneffekt tritt ein, wenn man diese nach einem bestimmten Lernsystem einsetzt. Sebastian Leitner, ein gelernter Jurist und deutscher Publizist(1919 – 1989) entwickelte sein Lernschema für Karteikarten (Bildquelle):

Vereinfacht funktioniert es so, dass zunächst alle Karteikarten in das erste Fach landen. Sodann müssen sie wiederholt werden. Stimmt die Antwort nicht mit der auf der Rückseite aufgeschriebenen, bleibt es im Fach 1, ansonsten geht es in das nächste Fach. Die Wiederholungsintervalle steigen mit jedem weiteren Fach. Wichtig ist aber, dass Fach 1 jeden Tag wiederholt wird! Mehrnoch – es wird sogar empfohlen, die frisch aufgeschriebene Karteikarte nach 30 Sekunden zu wiederholen und dann nochmal nach 2 Stunden. Man könnte das erste Fach also in weitere Unterfächer aufteilen.

B. Lernen mit Anki

Nun hat das mehrere Nachteile: das System an sich ist ziemlich aufwändig und die Karteikarten nehmen ziemlich viel Platz ein und sind nicht ergonomisch genug, um sie unterwegs zu wiederholen. An dieser Stelle kommt Anki ins Spiel. Diese quelloffene Software gibt es für viele Plattformen (iOS, Android, Windows, Linux, Mac) und sie nutzt einen Wiederholungsalgorithmus, der dem von Leitner ziemlich nahe kommt. Die Software ermittelt die Richtigkeit der Antwort und verschiebt die Karte automatisch in das richtige Fach. Ggü. dem 5-Fach System von Leitner hat es den Vorteil, dass man nicht zwingend auch solche Karteikarten wiederholen muss, die man eigentlich ganz gut kennt und sie nur deshalb aufgeschrieben hat, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber Anki kann noch vielmehr. Der größte Pluspunkt ist die Möglichkeit seine Karteikarten stets und überall abrufen zu können. Man kann nämlich all die Karten mit dem eigenen Webdienst ankiweb synchronisieren und von jedem Computer mit Internetanschluss wieder abrufen. Man kann auch freigegebene Karteikartensammlungen anderer User in die eigene Kollektion laden und nutzen.

C. Der Vorteil für Juristen

Das Karteienlernsystem hat für Jurastudenten einen großen Vorteil. In der Ausbildung sind wir dazu gezwungen viele Einzelfakten und Definitionen zu lernen. Wie definiert man den Betrug? Wie erfolgt die Übereignung beweglicher Sachen? Welche Tatbestände kennt das Bereicherunsgrecht? Auch wenn in der Klausurlösung die Einzelfakten nicht viel bringen, doch sind sie Voraussetzung, um zu einer annehmbaren Lösung zu kommen.

Die Möglichkeit seine Karteikarten auf unterschiedlichsten Plattformen auch offline zu nutzen, macht das System eigentlich zu einem meiner Lieblingslerntools.

Hier nochmal die wichtigsten Links:

1. Ankisoftware: http://ankisrs.net/

2. Android Client: https://code.google.com/p/ankidroid/wiki/Index auch im PlayStore erhältlich

3. iOS Client: http://itunes.apple.com/us/app/ankisrs/id373493387?mt=8 im Apple AppStore

4. Buchempfehlung: Brain Rules v. John Medina [eng]: http://www.amazon.de/Brain-Rules-Principles-Surviving-Thriving/dp/0979777747/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338560643&sr=8-1