Der Robenstreit – Muss ich als Anwalt eine Robe tragen?

Ich habe ja schon einmal die Frage untersucht, ob ich als Rechtsreferendar eine Robe vor Gericht tragen soll/muss . Nun, nachdem ich nunmehr mein zweites Staatsexamen hinter mir habe und kurz vor der Anwaltszulassung stehe, möchte ich mal schauen, wie es sich bei den Anwälten aussieht. Die Frage ist gerade auch heiß diskutiert, weil ein Münchner Anwalt vor dem Amtsgericht Augsburg nicht auftreten durfte, weil er seine Robe nicht an hatte. Der Amtsrichter schickte den armen Kollegen einfach kurzerhand und unverrichteter Dinge samt Mandanten nach Hause. Keine schöne Situation. Aber muss man als Anwalt überhaupt eine Robe tragen?

Interessant ist der geschichtliche Zweck der Robenpflicht für Rechtsanwälte:

Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I ordnete 1726 an:

"Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man diese Spitzbuben schon von weitem erkennen und sich vor ihnen hüten kann."

Wie ich in meinem letzten Post herausfand, existiert heute in NRW (auch ein Preußenstaat) die Amtstrachtenverordnung (in anderen Bundesländern gibt es vermutlich ähnliche Regelungen), in welcher in Ziff. I 1 nr. 3 steht:

Für Rechtsanwälte gilt § 20 der Berufsordnung der Rechtsanwälte; für Patentanwälte gilt § 12 Berufsordnung der Patentanwälte in der jeweils gültigen Fassung.

Okay! Dann suchen wir § 20 der BORA weiter:

§ 20 BORA – Berufstracht

Der Rechtsanwalt trägt vor Gericht als Berufstracht die Robe, soweit das üblich ist. Eine Berufspflicht zum Erscheinen in Robe besteht beim Amtsgericht in Zivilsachen nicht.

Aha! Also keine Pflicht zum Tragen der Robe vor dem Amtsgericht!

Soweit ich es mitgekriegt habe, tragen die meisten Rechtsanwälte eine Robe auch vor Zivilgerichten in NRW. Deshalb kann man wohl davon sprechen, dass es üblich ist. An kleineren Gerichten wohl noch üblicher, als in Großstädten.

In einer Sache vor dem Arbeitsgericht Köln bin ich sogar von einer Richterin angeherrscht worden, ob ich meine Robe vergessen hätte. Zum Glück konnte ich aus taktischen Gründen "Flucht ins Referendariat" anterten.

Nun ja. Jetzt entscheidet das Landgericht Augsburg über den Amtshaftungsanspruch des Anwalts gegen den Freistaat Bayern. Er macht geltend, ihm sei ein Vermögensschaden wegen vertaner Zeit und "frustrierte" Fahrtkosten entstanden. (Wird im Erfolgsfall auch der Mandant eine Klage erheben?). Am 30.06 entscheidet das Landgericht. Bin gespannt… 

 

  

Zweites Staatsexamen nur ausreichend – und nun?

Wer sich, wie ich, regelmäßig die Statistiken zu dem zweiten Staatsexamen ansieht, der weiß, dass im VB Bereich nur etwa so viele landen, wie das Staatsexamen nicht bestehen, nämlich etwa 1/6 aller Kandidaten. Weit mehr bleiben irgendwo zwischen Ausreichend und Befriedigend stecken.

Es hat sich aber auch herumgesprochen, dass die Endnote für viele Personalentscheider das Ausschlußkriterium ist. In vielen Kanzleien und Unternehmen läuft das nach wie vor so ab, dass zunächst auf die Note geschaut wird und erst dann auf die Bewerberin oder den Bewerber. Kann man dabei eine Note jenseits der Befriedigend-Linie vorweisen, so stehen die Chancen auf eine Einstellung scheinbar schlecht.

Scheinbar? Ich will mit diesem Artikel versuchen, Denkanstöße für die Jobsuche nach dem Examen geben, mit dem Focus darauf, dass die Abschlussnote doch nicht so toll geworden ist.

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Kleine Aufmerksamkeit

Gestern fand sich ein Brief mit diesem Betreff in meinem Briefkasten. Adressiert an mich als Betreiber der Plattform daboius. Ich wurde neugierig und machte auf. Darin fand sich ein schönes Lesezeichen mit der Werbung für die juristische Stellenbörse www.karriere-jura.de . Der Absender bat mich, sofern ich das Angebot der Stellenbörse nützlich fände, einen Link darauf zu setzen. Das tue ich hiermit.

Die Webseite ist recht übersichtlich – über eine Maske lässt sich nach angebotenen Stellen suchen oder kostenlos eigene Gesuche einreichen. Kritisch finde ich allerdings die Menge und Aktualität der Angebote. Das aktuellste Angebot war zum Veröffentlichungszeitpunkt vom 08.10.2012 – also fast eine Woche her
(Upd 1(13.10.2012): Nach Auskunft des Betreibers lag die Ursache für die fehlende Aktualität der Stellenangebote an technischen Problemen, die mittlerweile behoben sind.)

Das Portal bietet auch eine Möglichkeit über offene Stellen benachrichtigt zu werden. Ob das auch klappt, habe ich nicht getestet.

Wer also zurzeit auf der Suche nach einer Stelle im juristischen Bereich ist, sollte auch einen Blick auf diese Webseite werfen.

Eine ebenfalls gute Anlaufstelle ist die Stellenbörse von lto.de – sie kooperiert mit monstrer.de und greift auf einen sehr großen und aktuellen Datenbestand zurück.

Praktikumplätze und Nebenjobangebote finden sich oft auf den Homepages der Universitäten und juristischer Fakultäten. Hier zum Beispiel die Stellen- und Praktikumsbörse der Uni Köln.

Ein Tipp am Rande – es empfiehlt sich sehr schon während des Studiums in einer Rechtsanwaltskanzlei auszuhelfen. So knüpft man schon früh wichtige Kontakte und kann das nicht immer kalkulierbare Ergebnis des ersten Staatsexamens ausgleichen. Dabei ist nicht die Größe der Kanzlei entscheidend, sondern ob man sich mit dem Tätigkeitsschwerpunkt der Kanzlei identifizieren kann.

 UPD 2 (13.02.2015) : So, knapp zwei Jahre nachdem ich diesen Beitrag hier geschrieben habe, habe ich mich dem Thema Karriere für Juristen auch aus eigenem Interesse zugewandt. Bei meiner Recherche fiel mir dann auf, dass ich diese Webseite schon einmal gesehen haben musste. Nun, zwei Jahre nach meinem Bericht ist die Stellenbörse quicklebendig und wartet mit vielen interessanten Stellenangeboten auf. Daher eine klare Empfhelung für alle, die im oder nach dem Referendariat nach rosigen Perspektiven sucht.


P.S. @ Marketingabteilungen und ihre Entscheider: gerne schaue ich mir Ihre Produkte mit Bezug zum Jura Studium an und schreibe eine Rezension dazu. Bitte schauen Sie in das Impressum dieser Seite wegen der Kontaktinformationen.