Exklusiv: Interview mit den Machern von econtrario.de

Nachdem ich einige Zeit mit dem ausführlichen Test des neuen Karteikartenlernservice – econtrario.de – verbracht habe, econtrario_logokann ich meinen Lesern heute ein exklusives Interview mit den Machern des Services anbieten.

Kurz zum Background: Um Karteikarten zu lernen gibt es viele Möglichkeiten. Man kann sich die Kärtchen günstig bei ebay besorgen und selbst beschreiben; man kann aber auch auf fertige Karteikarten der großen Verlage zurückgreifen oder zu einem digitalen Netzwerk von Gleichgesinnten dazustoßen und Karteikarten zusammen erstellen und lernen. Bei econtrario geht es darum fremde und eigene Karteikarten sich nach dem multiple-choice-System zu erarbeiten. Ein spezieller Algorithmus sorgt dafür, dass man mit den Wiederholungen nicht schlabbert, sondern wirklich das Erlernte wiederholt, bis es sich im Langzeitgedächtnis festsetzt. Jura ist eben zu 99  % Fleißarbeit und nur zu 1 % Talent. Entsprechend viel und ehrgeuzig muss man mit seinem Lernpensum umgehen. Um hier etwas Motivation in den Prozess zu bringen, haben die Macher von econtrario ein Rankingsystem eingeführt. Damit kommt auch ein sportliches Interesse zum öden Lernen hinzu.

So und jetzt kommen die Machen selbst zu Wort.

 Wie viele Menschen stehen hinter dem Projekt? Wann kam die Idee dazu? Wer seid ihr Studenten, Referendare, ausgebildete Juristen, Programmierer, Designer?

Die Idee für eine eLearning Plattform mit der Möglichkeit, selbst Inhalte zu erstellen, kam uns während der eigenen Examensvorbereitung. Wir sahen eine enorme Schwierigkeit nicht nur darin, möglichst viele Fallkonstellationen „mal gesehen zu haben“, sondern auch darin, das schwer erarbeitete Strukturwissen regelmäßig zu wiederholen. Letztlich geht es ja darum, das ganze Wissen punktgenau wieder abrufen zu können.  Wir haben nun ein wunderbares Team: zwei Juristen – Carl-Wendelin Neubert promoviert am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, Christian Leupold ist Referendar am OLG Brandenburg; zwei erfahrene Programmierer – Christoph Beuck und Steffen Schebesta, die sehr erfolgreich den Service www.newsletter2go.de betreiben; und ein vielseitiger Designer – Rafael Varona, der so ziemlich alles kann.

Warum gerade Karteikarten? Habt ihr damit besonders gute Erfahrungen gesammelt? Beruht das ggf. auf wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Wir haben selbst das Erste Staatsexamen hinter uns. Klar ist aus unserer Sicht, dass die Stoffmenge zu regelmäßigem Wiederholen zwingt – was ich im Januar intensiv erarbeitet habe, ist sonst im September nicht mehr in allen Details abrufbar. Da gibt es dann also zwei Möglichkeiten: Entweder, ich lese immer und immer wieder Lehrbücher (womöglich die gleichen mehrfach). Oder ich erstelle mir eigenes Lernmaterial. In welcher Form das geschieht, ist eher nachrangig aus unserer Sicht. Wir haben selbst viel ausprobiert. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Definitionen kann man z.B. am besten auf kleine Karteikarten schreiben. Konkurrenzen zwischen verschiedenen Rechtsgebieten brauchen eine ganze Din-A4-Seite. Und einen Überblick darüber, wie sich ein Rechtsgebiet untergliedert, kann man sich leicht mithilfe von Mindmaps verschaffen. Wir plädieren für eine Art Systemmix – von allem etwas. Viele Sachverhalte, Problemstellungen und Streitstände lassen sich hervorragend anhand von multiple-choice-Aufgaben darstellen. Nicht umsonst stellt diese Frageform in einigen anderen Fächern (z.B. Medizin) einen zentralen Bestandteil der Prüfungen dar. Zudem lässt sich der eigene Lernfortschritt beim Lernen mit multiple-choice-Aufgaben präzise dokumentieren – es fällt schließlich schwerer, sich selbst übers Ohr zu hauen, wenn man genau ablesen kann, welche Aufgaben man richtig und welche falsch beantwortet hat. Man kann ganz besonders gut Missverständnisse aufdecken und für die Zukunft ausschließen, indem man „Fangfragen“ stellt mit verlockenden Antwortmöglichkeiten, die aber aufs Glatteis führen. Am besten ist es, eine Aufgabe zu erstellen, wenn man gerade einen Denkfehler bei sich selbst entdeckt hat. Auf diese Weise kann auch echtes Verständnis geschaffen werden. Das Erstellen eigener Aufgaben zwingt darüber hinaus dazu, den gelernten Stoff umzustrukturieren, d.h. diesen in anderer Form wiederzugeben. Dass dieses sog. aktive Lernen erfolgreicher ist als passives Lernen, ist wissenschaftlich erwiesen.

Econtrario ist kostenlos und hat keine Werbung. Wie finanziert sich die Plattform?

Für den Anfang haben wir uns etwas Startkapital besorgt. Damit decken wir derzeit alle entstehenden Kosten. Wir machen fast alles selbst, so dass sich die Kosten im Rahmen halten. Langfristig denken wir über eine Finanzierung durch Werbung bzw. mithilfe von Partnern aus dem Bereich Rechtswissenschaften nach. Auf diese Weise können wir die Plattform dann ausbauen und weiterentwickeln. Für die Nutzer bleibt econtrario aber kostenlos, das ist uns sehr wichtig.

Was steckt hinter dem so genannten exponentiellen Lernen?

Man versteht darunter die Wiederholung in größer werdenden Zeitabständen. Dieses Vorgehen entspricht der Wissensspeicherung im menschlichen Gehirn: Anfangs braucht man viele Wiederholungen innerhalb kurzer Zeit. Später wandert das Wissen bildlich gesprochen in das Langzeitgedächtnis und muss nur noch sehr selten wiederholt werden, um abrufbar zu bleiben. Wir haben ein sehr flexibles System entwickelt, das die Nutzer von econtrario Ihren eigenen Bedürfnissen anpassen können: Standardmäßig werden alle Aufgaben, die der Nutzer in seine Favoriten (virtueller Karteikasten) aufnimmt, nach 7, 14, 90, 180 und 300 Tagen abgefragt. Wer aber schon früher oder erst später als in 300 Tagen sein Examen hat, kann diese Zeiträume anpassen.

Sind Apps für die mobilen Plattformen wie Android oder IOS geplant?

Ja. Wir haben bereits eine „Mobile App“ für das iPhone. Das bedeutet, dass man sich die App nicht über den App Store herunterladen und installieren muss, sondern dass man mit dem Handy einfach auf www.econtrario.de geht und automatisch eine für das iPhone optimierte Darstellung gewählt wird. Eine entsprechende App für Android und das iPad ist in Planung.

Habt ihr noch andere Projekte oder sind welche geplant?

Wir sind mit ganzem Einsatz und ganzer Leidenschaft bei econtrario und planen derzeit auch keine neuen Projekte.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Eurer Plattform im Kampf für das unermüdliche Lernen!

 

 

Wir wollen sicherlich nicht kleinlich sein :)

Aus einer Akte, die ich zu bearbeiten hatte:
2013-01-07 13.45.12

Nach einem langen und nervenaufreibenden Hin- und Her wegen der Aktivlegitimation des Klägers, rügt der Beklagte in seinem Schriftsatz zum x-ten Mal die immer noch fehlende Aktivlegitimation des Klägers. Da kann der Richter die Akte nur noch mit einem bösen Smiley verzieren 🙂

Und wieder Karteikarten

In den letzten Tagen haben mich zwei interessante Projekte erreicht, die sich beide mit dem Lernen nach dem Karteikartensystem beschäftigen. Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass Karteikarten eine recht gute Möglichkeit ist, Inhalte auswendig zu lernen, möchte ich die zwei Projekte hier kurz beleuchten.

1. Als erstes wurde ich auf den mir bisher unbekannten Dienst econtrario.de aufmerksam gemacht
econtrario
Es handelt sich um eine soziale Lernplattform, bei der jeder juristische Aufgaben/Fragen nach dem multiple choice System einstellen kann. Das beste daran: die Seite sieht echt schick aus und der Service soll nach Angaben des Betreibers für immer kostenlos bleiben. Das System bietet Aufgaben aus allen drei Rechtsgebieten, wobei die Auswahl der Fragen noch relativ klein ist. Ich bin aber sicher, dass sich mit der Zeit der Aufgabenpool richtig groß wird. Die Webseite ist zudem so gestaltet, dass sie auch auf mobilen Geräten gut nutzbar ist. Daher ist das Portal auch geeignet, um unterwegs statt Tetris ein paar juristische Probleme zu wiederholen.

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist dass die Aufgaben keine Kommentarfunktion haben. Man hätte zu jeder Aufgabe einen Diskussionsthread erstellen können, in dem man sich mit anderen Nutzern austauschen könnte. Vielleicht ist diese Funktion für spätere Releases geplant – wer weiß.

UPD: Ich muss mich korrigieren. Ich habe eben festgestellt, dass die Plattform auch eine Kommentarfunktion bietet. Sie hat sich nur versteckt und kommt, was sinnvoll ist, erst dann zum Vorschein, wenn man eine Frage beantwortet.

UPD 2: Einen Verbesserungsvorschlag kann ich doch noch an die Entwickler machen. Es wäre toll, wenn man Karteikarten aus seinem „Karteikasten“ irgendwie exportieren könnte, um zum Beispiel die eigenen Karteikarten mit Anki oder sonstigen Tools zu lernen. Die mobile Version von econtrario erfordert einen Internetzugang, was unterwegs nicht immer verfügbar ist und mit zusätzlichen Kosten verbunden sein kann.

2. Das zweite Projekt stammt von Thomas Kahn. Er hat für Anki (s. Artikel: „Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)“) ein paar Vorlagen erstellt, die sich speziell für juristische Inhalte eignen sollen.

tk_karteikarten

Um die Vorlagen nutzen zu können, muss man eine spezielle Erweiterung für Anki von der Webseite des Anbieters herunterladen. Nach einem Doppelklick, sind die Vorlagen installiert und verwendbar. Sodann wählt man die passende Vorlage aus und erstellt die Karteikarte.

Zurzeit stehen folgende Inhaltstypen zur Verfügung:

  • Einfache Frage
  • Fachbegriff
  • Prüfungsschema
  • Streitstand
  • Vergleichende Frage

Ich finde, diese Vorlagen erleichtern das systematische Lernen ungemein. Sie machen Anki (was eigentlich ein Vokabellerntool für Fremdsprache ist) zu einer Anwendung, die juristische Inhalte richtig strukturiert speichert und abfragt. Mir persönlich hat in Anki die Möglichkeit gefehlt, Prüfungsschemata schön sauber zu speichern. Mit dieser Vorlagensammlung ist es nun möglich.

Daher auch für dieses Projekt eine klare Empfehlung und ein Dank an den Entwickler.

Lecturio – für kurze Zeit mit 30% Rabatt

Ich wollte nur kurz auf die aktuelle Aktion von Lecturio hinweisen.
Lecturio ist bedauerlicherweise immer noch recht unbekannt. Auf dieser Plattform kann man sich Video-Vorlesungen aus dem Onlinerepetitorium zur ersten oder zweiten Prüfung anschauen. Gerade im Herbst, wo man eh keine Lust hat früh aufzustehen und sich im überfüllten Hörsaal Ausführungen eines nuschelnden Dozenzen anzutun, ist Lecturio echt eine gute Alternative.

Die Preise liegen ungefähr auf der Höhe eines gedruckten Skripts, wobei man die Vorlesungen auch sozusagen „mieten“ kann und den Preis monatlich abzahlen. Mit dem Rabatt kann man den Preis nochmal erheblich reduzieren. Aber man muss sich beeilen. Das Angebot gilt nur bis zum 18.10.2012. Der Angebotscode lautet:

lai28j

Ab und zu kaufe auch ich dort Vorlesungen zu ausgewählten Themen, wenn ich etwas auf die Schnelle erklärt bekommen möchte. Die Vorlesungen, die ich bisher gekauft habe, haben mich stets überzeugt.

Falls ihr mich etwas unterstützen wollt, könnt ihr die Seite über diesen Link aufrufen, ansonsten ruft einfach www.lecturio.de in eurem Browser auf.

Kleine Aufmerksamkeit

Gestern fand sich ein Brief mit diesem Betreff in meinem Briefkasten. Adressiert an mich als Betreiber der Plattform daboius. Ich wurde neugierig und machte auf. Darin fand sich ein schönes Lesezeichen mit der Werbung für die juristische Stellenbörse www.karriere-jura.de . Der Absender bat mich, sofern ich das Angebot der Stellenbörse nützlich fände, einen Link darauf zu setzen. Das tue ich hiermit.

Die Webseite ist recht übersichtlich – über eine Maske lässt sich nach angebotenen Stellen suchen oder kostenlos eigene Gesuche einreichen. Kritisch finde ich allerdings die Menge und Aktualität der Angebote. Das aktuellste Angebot war zum Veröffentlichungszeitpunkt vom 08.10.2012 – also fast eine Woche her
(Upd 1(13.10.2012): Nach Auskunft des Betreibers lag die Ursache für die fehlende Aktualität der Stellenangebote an technischen Problemen, die mittlerweile behoben sind.)

Das Portal bietet auch eine Möglichkeit über offene Stellen benachrichtigt zu werden. Ob das auch klappt, habe ich nicht getestet.

Wer also zurzeit auf der Suche nach einer Stelle im juristischen Bereich ist, sollte auch einen Blick auf diese Webseite werfen.

Eine ebenfalls gute Anlaufstelle ist die Stellenbörse von lto.de – sie kooperiert mit monstrer.de und greift auf einen sehr großen und aktuellen Datenbestand zurück.

Praktikumplätze und Nebenjobangebote finden sich oft auf den Homepages der Universitäten und juristischer Fakultäten. Hier zum Beispiel die Stellen- und Praktikumsbörse der Uni Köln.

Ein Tipp am Rande – es empfiehlt sich sehr schon während des Studiums in einer Rechtsanwaltskanzlei auszuhelfen. So knüpft man schon früh wichtige Kontakte und kann das nicht immer kalkulierbare Ergebnis des ersten Staatsexamens ausgleichen. Dabei ist nicht die Größe der Kanzlei entscheidend, sondern ob man sich mit dem Tätigkeitsschwerpunkt der Kanzlei identifizieren kann.

 UPD 2 (13.02.2015) : So, knapp zwei Jahre nachdem ich diesen Beitrag hier geschrieben habe, habe ich mich dem Thema Karriere für Juristen auch aus eigenem Interesse zugewandt. Bei meiner Recherche fiel mir dann auf, dass ich diese Webseite schon einmal gesehen haben musste. Nun, zwei Jahre nach meinem Bericht ist die Stellenbörse quicklebendig und wartet mit vielen interessanten Stellenangeboten auf. Daher eine klare Empfhelung für alle, die im oder nach dem Referendariat nach rosigen Perspektiven sucht.


P.S. @ Marketingabteilungen und ihre Entscheider: gerne schaue ich mir Ihre Produkte mit Bezug zum Jura Studium an und schreibe eine Rezension dazu. Bitte schauen Sie in das Impressum dieser Seite wegen der Kontaktinformationen.

 

 

Lernen mit Anki (Interaktives Karteikartensystem)

Hallo, heute möchte ich euch die OpenSource Software anki vortsellen. Was ist das? Anki ist ein kostenloses und freies Tool zum Lernen nach dem Karteikartensystem. Ich habe bereits an einer anderen Stelle über meine Karteikarten berichtet. Dort findet ihr auch meine Vorlagen zum Ausdrucken. Heute geht es aber um Anki, einem softwaregestützten Karteikarten – Lernsystem.

A. Karteikarten – Was ist das?

Was Karteikarten sind, muss ich wohl nicht erklären. Ich benutze dickere DIN A6 Kärtchen, die ich auf der Vorderseite mit einer Frage und auf der Rückseite mit der Antwort beschrifte.

An sich sind die Karten nur ein Mittel. Der größte Lerneffekt tritt ein, wenn man diese nach einem bestimmten Lernsystem einsetzt. Sebastian Leitner, ein gelernter Jurist und deutscher Publizist(1919 – 1989) entwickelte sein Lernschema für Karteikarten (Bildquelle):

Vereinfacht funktioniert es so, dass zunächst alle Karteikarten in das erste Fach landen. Sodann müssen sie wiederholt werden. Stimmt die Antwort nicht mit der auf der Rückseite aufgeschriebenen, bleibt es im Fach 1, ansonsten geht es in das nächste Fach. Die Wiederholungsintervalle steigen mit jedem weiteren Fach. Wichtig ist aber, dass Fach 1 jeden Tag wiederholt wird! Mehrnoch – es wird sogar empfohlen, die frisch aufgeschriebene Karteikarte nach 30 Sekunden zu wiederholen und dann nochmal nach 2 Stunden. Man könnte das erste Fach also in weitere Unterfächer aufteilen.

B. Lernen mit Anki

Nun hat das mehrere Nachteile: das System an sich ist ziemlich aufwändig und die Karteikarten nehmen ziemlich viel Platz ein und sind nicht ergonomisch genug, um sie unterwegs zu wiederholen. An dieser Stelle kommt Anki ins Spiel. Diese quelloffene Software gibt es für viele Plattformen (iOS, Android, Windows, Linux, Mac) und sie nutzt einen Wiederholungsalgorithmus, der dem von Leitner ziemlich nahe kommt. Die Software ermittelt die Richtigkeit der Antwort und verschiebt die Karte automatisch in das richtige Fach. Ggü. dem 5-Fach System von Leitner hat es den Vorteil, dass man nicht zwingend auch solche Karteikarten wiederholen muss, die man eigentlich ganz gut kennt und sie nur deshalb aufgeschrieben hat, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Aber Anki kann noch vielmehr. Der größte Pluspunkt ist die Möglichkeit seine Karteikarten stets und überall abrufen zu können. Man kann nämlich all die Karten mit dem eigenen Webdienst ankiweb synchronisieren und von jedem Computer mit Internetanschluss wieder abrufen. Man kann auch freigegebene Karteikartensammlungen anderer User in die eigene Kollektion laden und nutzen.

C. Der Vorteil für Juristen

Das Karteienlernsystem hat für Jurastudenten einen großen Vorteil. In der Ausbildung sind wir dazu gezwungen viele Einzelfakten und Definitionen zu lernen. Wie definiert man den Betrug? Wie erfolgt die Übereignung beweglicher Sachen? Welche Tatbestände kennt das Bereicherunsgrecht? Auch wenn in der Klausurlösung die Einzelfakten nicht viel bringen, doch sind sie Voraussetzung, um zu einer annehmbaren Lösung zu kommen.

Die Möglichkeit seine Karteikarten auf unterschiedlichsten Plattformen auch offline zu nutzen, macht das System eigentlich zu einem meiner Lieblingslerntools.

Hier nochmal die wichtigsten Links:

1. Ankisoftware: http://ankisrs.net/

2. Android Client: https://code.google.com/p/ankidroid/wiki/Index auch im PlayStore erhältlich

3. iOS Client: http://itunes.apple.com/us/app/ankisrs/id373493387?mt=8 im Apple AppStore

4. Buchempfehlung: Brain Rules v. John Medina [eng]: http://www.amazon.de/Brain-Rules-Principles-Surviving-Thriving/dp/0979777747/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1338560643&sr=8-1

Videos ohne Flashplayer in Webseiten einbinden

Es kam neulich die Frage auf, wie man Videos auf Webseiten einbindet, damit diese auch auf mobilen Geräten von Apple in der Webseite abspielbar sind. Die Lösung ist HTML5. Mit diesem Code:

<video>
<source src="video.ogg" type="video/ogg" />
</video>

kann man leicht das Video einbinden. Es muss allerdings in einem abspielbaren Format vorliegen. Um die Videodateien zu konvertieren eignet sich diese kostenlose Sofware von MIRO sehr gut. Wenn man das erstellte Video nun einfach in ein geöffnetes Browserfenster zieht, sollte das Video sofort spielen…

Störerhaftung oder wie GEMA Arbeitsplätze schafft

Der Begriff der Störerhaftung kommt in letzter Zeit sehr oft in den Nachrichten vor. Ein Facebook Nutzer wurde abgemahnt, weil auf seiner Pinnwand jemand ein urheberrechtlich geschütztes Bild veröffentlicht hat. Café-Besitzern drohen Abmahnungen für die illegalen Downloads ihrer WLan Nutzer. Und nun die GEMA vs. YouTube: Das Landgericht Hamburg entschied, dass YouTube bis zu 250 000 Euro zahlen muss, wenn es auf Urheberrechtsverletzungen auf der Videoplattform hingewiesen wird.

Aber was ist die Störerhaftung und wie funktioniert sie?

Die Ausgangsnorm im Zivilrecht ist § 1004 BGB

(I) 1Wird das Eigentum in anderer Weise als durch Entziehung oder Vorenthaltung des Besitzes beeinträchtigt, so kann der Eigentümer von dem Störer die Beseitigung der Beeinträchtigung verlangen. ²Sind weitere Beeinträchtigungen zu besorgen, so kann der Eigentümer auf Unterlassung klagen.

Ok, aber Moment Mal – was hat es mit Eigentum zu tun, wenn jemand illegal Lieder herunterlädt? Die Rechtsprechung erweitert den Anwendungsbereich auf alle absoluten Rechte, also Rechte die unmittelbar gegenüber jedermann gelten, z.B.: Leben, Gesundheit, Freiheit, allg. Persönlichkeitsrecht, Recht am eigenen Bild, Ehre, Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb sowie alle über § 823 Abs. 2 BGB deliktisch geschützten Rechtsgüter.

Und das Urheberrecht? Darum geht es doch, oder? Das Urheberrecht könnte man analog aus §§ 903, 1004 Abs. 1, 823 Abs. 1 BGB herleiten. Muss man aber nicht. Denn § 97 Abs. 1 UrhG schützt die Rechteinhaber umfassender:

(I) 1Wer das Urheberrecht oder ein anderes nach diesem Gesetz geschütztes Recht widerrechtlich verletzt, kann von dem Verletzten auf Beseitigung der Beeinträchtigung, bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. ²Der Anspruch auf Unterlassung besteht auch dann, wenn eine Zuwiderhandlung erstmalig droht.

Die Frage ist nun, wer der Täter des § 97 UrhG oder § 1004 BGB ist. Der wird Störer genannt. Dieser Rechtsbegriff ist gesetzlich nicht definiert. Die Rechtsprechung hat zwei Grundarten herausgearbeitet:

  1.  Der Handlungsstörer
  2.  Der Zustandsstörer

Der Handlungsstörer ist wer durch seine Handlung oder pflichtwidriges Unterlassen einen Schaden zurechenbar verursacht. Handlungsstörer ist zum Beispiel jemand, der das Grundstück seines Nachbarn ohne dessen Erlaubnis betritt. Er stört seinen Nachbarn in seinem Eigentumsrecht, welches auch umfasst, andere von jeglicher Einwirkung auf das Eigentum auszuschließen. Handlungsstörer ist auch jemand, wenn er die Störung nur mittelbar veranlasst. Beispielsweise, wenn der Hauseigentümer auf der Grundstücksgrenze Bauarbeiten veranlasst und die Emissionen (Dreck, Lärm) auf das Nachbargrundstück eindringen. Hier stört man selbst nicht, aber veranlasst Dritte dazu. Man kann die Störung auch durch Natureinwirkungen veranlassen. Zum Beispiel, indem man Tauben füttert, die ihre Ausscheidungen auf dem Auto des geplagten Nachbarn hinterlassen.

Der Zustandsstörer ist der Eigentümer oder Besitzer einer Sache, von der die Beeinträchtigung ausgeht. Dazu kommt aber ein subjektives Element: die Beeinträchtigung muss nach der Rechtsprechung zumindest mittelbar auf den Willen des Zustandsstörers zurückzuführen sein.

Und nun kurz zum Gema Urteil:

YouTube ist Zustandsstörer aus Unterlassung der Kontrollpflichten

Da die Beklagte(YouTube) die urheberrechtsverletzenden Videos weder
selbst hochgeladen habe, noch sich deren Inhalte zu eigen gemacht habe, hafte sie nicht als
Täterin. Allerdings habe sie durch das Bereitstellen und den Betrieb der Videoplattform einen
Beitrag zu den Rechtsverletzungen geleistet. Aufgrund dieses Beitrags träfen die Beklagte
Verhaltens- und Kontrollpflichten. Diese habe sie verletzt und sei deshalb der Klägerin als
„Störerin“ zur Unterlassung verpflichtet.

Als Konsequenz muss YouTube nun mit einem Ordnungsgeld oder Haftstrafe rechnen, wenn nach einem Hinweis auf die Urheberrechtsverletzung youtube das geschützte Material nicht sperrt.

Schon vor diesem Urteil gab es auf Veranslassung von Gema gesperrte Titel bei youtube. Doch dies war langwierig und funktionierte nicht immer. Zwar hat Youtube die sogenannte Content ID entwickelt, eine Software, die identische Titel aufgrund eines digitalen Fingerabdrucks ermittelte und sperrte, aber diese Software funktioniert logischerweise nicht bei allen Abwandlungen des Originals (Cover, Live-Darbietungen usw.). Das aktuelle Urteil zwingt youtube nun neben Content-ID auch noch Wortfilter einzurichten, die bei Übereinstimmung den Upload verhindern sollen. Darüberhinaus muss youtube urheberrechtlich geschütztes Material unverzüglich nach Beanstandung durch den Rechteinhaber (GEMA) entfernen. Und unverzüglich, lernt der Jurist, heißt in § 121 Abs. 1 S.1 BGB „ohne schuldhaftes Zögern“ – 1,5 Monate, sei, so das Gericht, nicht mehr unverzüglich.

Vielleicht sollte man das aber auch etwas positiv sehen: GEMA schafft Arbeitsplätze. Denn Google/youtube wird nun bei jedem Upload und bei Beanstandungen untersuchen müssen, ob ein Werk urheberrechtlich geschützt ist. Automatisieren lässt sich das nicht ohne weiteres.

Warum haften Eltern nicht für ihre Kinder?

„Eltern haften für ihre Kinder“ – so lautet die wohl bekannteste Haftungsfloskel in Deutschland. Aber stimmt das? Im Jurastudium lernt man in der Deliktsrechtsvorlesung, dass es so nicht stimmt. Wollen wir mal der Sache auf den Grund gehen.

Nach § 832 BGB besteht eine Haftung des Aufsichtspflichtigen aus vermuteten Verschulden, wenn die aufsichtsbedürftige Person einem Dritten Schäden  zufügt. Die Aufsichtspflicht der Eltern ergibt sich aus dem Gesetz, §§ 1626, 1631 BGB.

Das Gesetz sagt hier, dass die Eltern zwar haften, aber die Haftung dann nicht eintritt, wenn die Eltern den Entlastungsbeweis führen können. Sie müssen darlegen und beweisen, dass sie ihrer Aufsichtspflicht ausreichend Rechnung getragen haben.

Was ausreichende Aufsicht ist, sagt das Gesetz nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass die Eltern den Kindern einen eigenen Entwicklungsfreiraum geben müssen, indem sich die Kinder eigenständig ohne die unermüdliche Aufsicht entwickeln. Andererseits, müssen die Eltern besonders auf solche Kinder aufpassen, ihrem Alter und Charakter nach nicht selbständig genug sind.

Die Rechtsprechung prüft im Einzelfall, ob ein für das Alter normal entwickeltes Kind auch bei Berücksichtigung seiner Eigenheiten selbständig genug ist (vgl. Urteile des BGH von 24.03.2009 AZ: VI ZR 199/08 und VI ZR 51/08). Ein 5,5 Jahre altes Kind kann selbständig auf einem Spielplatz spielen, wenn der Aufsichtspflichtige ihn alle 30 Min kontrolliert. Über das Treiben eines 7,5 Jahre altes Kindes reicht ein grober Überblick der Eltern aus. Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder, die mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen lassen, haben ihrer Aufsichtspflicht genüge getan, wenn die Strecke dem Kind vertarut war und dieses genügend über den Straßenverkehr und seine Gefahren durch die Eltern aufgeklärt wurde  (OLG Koblenz v. 21.01.2009 Aktenzeichen: 12 U 1299/08). Ab einem Alter von 8 Jahren muss den Kindern auch das Spielen im Freien erlaubt werden, wenn die Eltern keine sofortige Eingriffsmöglichkeit haben (OLG Düsseldorf 10.12.2009, I-5 U 58/09, 5 U 58/09).

Wenn die Eltern sich so entschuldigen können, so haften sie nicht für ihre Kinder. Der Satz stimmt also nicht. Es handelt sich um einen Rechtsirrtum.

Im Übrigen haften die Kinder selbst nur entsprechend ihrer Schuldfähigkeit, § 828 BGB. Bis zum 7. Lebensjahr überhaupt nicht. Bis zum 10 Lebensjahr nicht für Straßenverkehrsunfälle mit KFZ oder Straßenbahnen. Ansonsten, richtet sich die Haftung bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres an der Einsichtsfähigkeit des Kindes.

Nächster Rechtsirrtum: Alle gekauften Waren in Deutschland haben Garantie

 

 

Ebook Reader als juristisches Werkzeug

Diese Frage beschäftigt mich schon längere Zeit. Wie kann die neue E-Ink Technologie auch in den juristischen Berufen nützlich gemacht werden? Soweit ersichtlich wird diese Frage von den juristischen Verlagen absolut ausgeblendet. Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Diskussion anstoßen über die Vorteile und Nachteile von Literaturdigitalisierung in den Rechtswissenschaften.

I. Was ist E-Ink

Um es kurz zu halten, ist E-Ink eine Technologie, die es ermöglicht Displays für mobile Geräte herzustellen, die dem bedruckten Papier in seinen Leseeigenschaften sehr nahe kommen. Für die Darstellung werden die Pixel (einzelne Displaypunkte) aus kleinen Tintenkügelchen aufgebaut, die durch elektrische Spannung gesteuert werden können. Die so erreichte Darstellung ist zwar nicht bunt, dafür aber sehr augenschonend und energieeffizient. Der elektrische Strom der Gerätebatterie wird nämlich nur verwenden, um zu blättern. Im „aufgeschlagenen“ Zustand kann eine Buchseite theoretisch jahrelang angezeigt werden, ohne dass der Akku sich entlädt.

II. Juristischer Markt heute

Die Juristischen Verlage haben bisher in ihrem Angebot keine E-Ink Geräte und auch keine juristische Literatur, die auf diesen Geräten gut zu lesen wäre. Die wenigen PDF Ausgaben, die bisher verfügbar sind, können auf den meisten E-Ink Readern zwar wiedergegeben werden. Komfortabel gelesen können sie dort wegen geringer Abmessungen der Displays bisher nicht. Für die E-REader bestehen seit Jahren jedoch spezielle Formate wie Epub, FB2 oder Mobi, die für die E-Reader besser geeignet sind. In diesen Formaten sind bisher nur sehr wenige juristische Titel erhältlich.

III. Mögliche Verwendung dieser Technologie

1. Zeitschriften

Meines Erachtens sind juristische Fachzeitschriften schon heute bestens für den E-Ink Bereich geeignet. Man stelle nur vor, dass die wöchentliche juristische Zeitschrift nicht im Briefkasten steckt, sondern automatisch auf den Reader via WLan geladen wird. Der Leser kann sich gemütlich beim morgenlichen Kaffee die Beiträge durchblättern, interessante Stellen markieren, ausdrucken oder weiterleiten. Der Stapel von Altpapier entfällt. Die interessanten Beiträge könnten dann nach Belieben Kategorisiert werden, sodass sie auch nach Jahren mühelos auffindbar sind. Die Verlage würden an den Druckkosten und Porto sparen und der Leser hätte einen Mehrwert gegenüber gedruckter Version.

2. Gesetzessammlungen, Kommentare

Große Werke wie Gesetzessammlungen und Kommentare haben auf E-Ink den Vorteil der Durchsuchbarkeit. Man muss nicht mühevoll lange blättern, bis man die richtige Stelle gefunden hat, sondern kann direkt den Suchbegriff eingeben und zu ihm springen. Der Nachteil bei den heute erhältlichen Geräten ist die Größe des Displays. Bis auf einige Ausnahme bewegt sich die Grüße zwischen 5 und 7 Zoll. Das ist viel zu wenig, um zwei Seiten nebeneinander aufzuschlagen. Das ideale Format wäre Din A4 quer. Würde man dann softwaremäßig die Möglichkeit haben zwei Werke so nebeneinander darzustellen, so hätte man die Möglichkeit die wichtigen Stellen sofort zu vergleichen, ohne zu Blättern. Solche Software auf den E-Readern ist mir bisher nicht begegnet. Es liegt jedoch nicht daran, dass die Möglichkeiten der Teschnologie hier begrenzt sind, sondern daran dass es bisher vom markt nicht gefordert wurde.

3. Lehrbücher, Skripte

Für die juristische Ausbildung wäre es wohl interessant Lehrbücher und Skripte in den E-Book Formaten herauszugeben. Auch hier gilt: PDF ist nicht ausreichend. Das Format ist viel zu unflexibel, um auf den Geräten gut lesbar dargestellt zu werden. Sowohl für Gesetzessammlungen, Kommentare, Lehrbücher und Skripte besteht hier die Möglichkeit die Texte auf dem neuesten Stand zu halten. Die Verlage könnten Subskriptionen anbieten und jeweils aktuelle Fassungen per WLan verteilen.

Die Fähigkeit der Geräte handschriftliche Notizen zu speichern, macht diese genauso bequem wie ein Textskript oder Buch. Aus den Zitaten kann man dann Lernkarteien u.ä. machen, die auf dem Geraät auch direkt wiederholt werden können oder mit anderen mobilen Geräten synchronisiert werden können.

IV. Fazit

Der juristische Markt ist groß genug, um die Technologie der E-Reader vollständig zu vernachlässigen. Was fehlt sind Inhalte und Reader, die auf die speziellen Bedürfnisse der juristischen Berufe ausgerichtet sind. Die Vorteile sind aber auf der Hand. Ein solcher Reader könnte die gesamte Bibliothek ersetzen und kann dabei ein nützliches Tool im Alltag eines Juristen sein. Leider sehen die Verlage diese Chancen nicht. Es fehlt sowohl an der Literatur, die in den E-Reader Formaten verfügbar wäre, als auch an den Geräten selber. Betrachtet man den Weg, den amazon gegangen ist, wird klar, dass Ebooks auch für Juristen die Zukunft sind.